Dümmer als die Polizei erlaubt – Verbrechen mit Vollversagern

Ein Blog über echte Fälle, bei denen der gesunde Menschenverstand kapitulierte. Teil 2

Verbrechen lohnt sich nicht.
Aber es lohnt sich, drüber zu lachen. Vor allem, wenn die Täter dabei alles falsch machen.

Willkommen zum zweiten Teil der Galerie der Schande.
Mit Menschen, die dachten, sie wären schlauer als das System
und dabei völlig scheiterten.

Grandios. Komplett. Und für uns: herrlich unterhaltsam.

1. Christopher Daniel Gay – der Tourbus auf Abwegen

Im Januar 2007 entkam Christopher Daniel Gay aus Tennessee während eines Gefangenentransports. Er war mehrfach vorbestraft und nannte sich später Little Houdini. Nach eigener Aussage wollte er nur seine todkranke Mutter besuchen. Auf seiner Flucht stahl er nacheinander drei Fahrzeuge. Darunter befand sich der Tourbus der Country-Sängerin Crystal Gayle, ein glänzender Luxusbus mit ihrem Namen und Gesicht in Gold auf der Seite. Gay fuhr damit quer durch mehrere Bundesstaaten und wurde schließlich in Florida am Daytona International Speedway festgenommen, wo er sich als Mitglied eines Rennteams ausgab. Die Beamten entdeckten in seiner Nähe die zuvor gestohlenen Fahrzeuge und beendeten damit eine der kuriosesten Fluchten der US-Geschichte.

2. Darius McCollum – der Mann, der die U-Bahn liebte

Darius McCollum aus New York City war kein gewöhnlicher Krimineller. Er war ein Mann mit einer tiefen Leidenschaft für das öffentliche Verkehrsnetz. Schon als Kind verbrachte er mehr Zeit in U-Bahn-Stationen als auf dem Schulhof. Er kannte jede Linie, jedes Signal und jeden Fahrplan auswendig. Mit fünfzehn Jahren steuerte er erstmals eine vollbesetzte U-Bahn perfekt nach Plan. Die Fahrgäste bemerkten nichts, bis die Polizei ihn am Zielbahnhof erwartete.

In den folgenden Jahrzehnten wurde McCollum über dreißigmal festgenommen. Er fuhr Busse, rangierte Züge, trug Uniformen der Metropolitan Transportation Authority und bewegte sich völlig selbstverständlich in den Betriebsräumen des New Yorker Nahverkehrs. Für viele Ermittler war er ein Kuriosum, für Psychologen ein Lehrfall. Bei McCollum wurde das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Seine Fixierung auf Busse und Züge war keine Obsession im kriminellen Sinn, sondern eine Form zwanghafter Faszination.

Trotz wiederholter Haftstrafen und Therapieauflagen kehrte er immer wieder zurück in die Tunnel der Stadt. Im Jahr 2015 stahl er einen Greyhound-Bus, fuhr damit zwei Stunden lang durch Brooklyn und wurde erneut verhaftet. Sein Verteidiger erklärte, McCollum habe nie jemanden gefährdet, sondern sei in seiner eigenen Welt ein perfekter Fahrer gewesen. Die Richterin sprach von einer unheilbaren Neigung zu Kontrolle und Routine.

3. Siegfried K. – der Bankräuber mit dem falschen Gebäude

Im Jahr 2011 betrat der 57-jährige Siegfried K. in Osnabrück ein Gebäude, das er für eine Bank hielt. In Wirklichkeit befand sich dort aber schon seit siebzehn Jahren eine Physiotherapiepraxis. Der Mann bedrohte die Angestellte mit einer Spielzeugpistole und verlangte zehntausend Euro. Als sie erklärte, dass hier keine Kasse existiere, zwang er sie zu einem Geldautomaten und ließ sich vierhundert Euro auszahlen. Danach floh er in einem gestohlenen Auto, das er kurz darauf aber wieder stehen ließ. Die Polizei fand darin die Plastikwaffe mit seinen Fingerabdrücken. Vor Gericht sagte er, er habe das Schild übersehen. Die Richterin urteilte auf sieben Jahre Haft und bezeichnete die Tat als Lehrbeispiel für grobe Fehleinschätzung.

4. Benjamin Paul Shepherd – der Räuber, der auf einen Kaffee blieb

Am sechsten Dezember 2021 drang Benjamin Paul Shepherd in Port Adelaide in das Haus eines älteren Mannes ein, den er zuvor beim Geldabheben beobachtet hatte. Er trug ein Messer bei sich und forderte 22500 australische Dollar. Das Opfer übergab ihm 15000 um die Situation zu beruhigen. Dann geschah etwas, das selbst erfahrene Ermittler sprachlos machte. Shepherd nahm das Angebot des Mannes an, einen Kaffee zu trinken. Er setzte sich ins Wohnzimmer, plauderte und gab sich gegenüber der später eintreffenden Partnerin des Opfers als Freund aus. Danach nahm er noch 5000 Dollar und verließ das Haus. Die Polizei fand ihn mithilfe von Überwachungskameras. Der Richter sprach von einer „ungewöhnlichen Mischung aus Dreistigkeit und Dummheit“ und verurteilte ihn zu sechs Jahren Haft, davon mindestens drei Jahre und sieben Monate ohne Bewährung.

5. Nathan Walter Braddock – der Dealer mit dem toten Komplizen

Im Oktober 2021 durchsuchte die Polizei ein Haus in Mount Gambier, Südaustralien. In einem Abfluss fanden Beamte Methamphetamin, in einer Metallbox im Garten Suboxon-Streifen und über 12000 australische Dollar Bargeld. Der Besitzer, Nathan Walter Braddock, wurde wegen Drogenhandels angeklagt. Vor Gericht erklärte er, die Drogen gehörten einem Freund, der sie dort gelagert habe. Dieser allerdings war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben und da er logischerweise nicht mehr äußern konnte, blieb Braddock bei seiner Version. Die Richterin nannte seine Aussage eine Fantasie ohne Bezug zur Realität. Das Urteil lautete auf mehrfachen Drogenhandel. Der Fall wurde später in Südaustralien als Paradebeispiel für schlechte Ausreden in Ermittlungsakten geführt.

6. Clarence Blackledge – der Bananenräuber von North Carolina

Im Jahr 2016 betrat Clarence Blackledge in Winston-Salem die Filiale einer Bank. Unter seinem Ärmel verbarg er etwas Langes, das die Kassiererin für eine Pistole hielt und sich später als eine Banane rausstellte. Er schob ihr einen Zettel zu, auf dem stand, dass dies ein Überfall sei. Sie übergab ihm mehrere Hundert Dollar, und Blackledge verließ die Bank. Wenig später fand ihn die Polizei in einem Restaurant, wo er friedlich aß. In seiner Tasche lagen die Beute und eine zerquetschte Banane. Er erklärte, er sei hungrig gewesen und habe keine echte Waffe besessen. Das Gericht verurteilte ihn wegen Raubüberfalls, milderte das Strafmaß jedoch, da niemand verletzt wurde. Die Tat wurde unter der Bezeichnung Banana Crime in Polizeischulungen aufgenommen.

Fazit

Es gibt Momente, in denen man fast Mitleid haben möchte. Fast. Doch wer glaubt, eine Banane sei eine Waffe oder eine Praxis eine Bank, hat die Kontrolle über den Realitätsbezug längst verloren. Die wahre Strafe ist nicht das Urteil, sondern das Wissen, Teil einer Liste zu sein, die mit „Die dümmsten Verbrechen der Welt“ beginnt.

Verbrechen lohnt sich nicht, aber es sorgt zuverlässig für Stoff, der jeden Thrillerautor arbeitslos machen könnte.